Vor zwei Wochen war es mal wieder soweit: Ein Buch ausgelesen – und was nun? Nun, ein neuer Roman musste her. Ein Krimi oder Thriller. Spannend. Toll geschrieben. Fesselnd. Kurz und gut: Eine echte Herausforderung – nicht einfacher als die Besteigung eines 8000ers ohne Sauerstoffflasche. Wie soll man nur so ein Buch finden?
Natürlich, einfach über die einschlägigen Internetseiten surfen, Freunde fragen und Tipps aus dem Fernsehen oder Magazinen aufgreifen. Ein Cover vielversprechender als das nächste (ich sage nur: Knallige Ein-Wort-Titel. Alles in Schwarz, Rot oder Weiß gestaltet), vier oder fünf gelb-strahlende Sterne bei Amazon, sich selbst überschlagende Werbetexte und Rezensionen. Das erste Buch war schnell auf den E-Reader geladen. So, wie es beworben wurde, musste es einfach gut sein, nicht wahr? Was war ich doch für ein Idiot!
Knapp 8,00 €, zehn Minuten und vier oder fünf Seiten später hatte ich die Nase voll. Das soll jetzt nicht heißen, dass das Buch wirklich schlecht war (wie gesagt, viele Leser hatten es begeistert rezensiert), es war nur einfach nicht “mein” Buch – ich wurde mit den Figuren einfach nicht warm.
Tja, und was nun? Weiter Bücher “auf gut Glück” kaufen? Auf die Dauer würde das ein teures Vergnügen werden.
Und dann fiel es mir ein: Beim Kindle kann man doch die ersten Kapitel aller E-Books als kostenlose Leseprobe erwerben. Warum hatte ich nicht daran gedacht?
Vielleicht deshalb, weil diese Funktion, die bei der Frage: “E-Books oder gedruckte Bücher kaufen?” beharrlich ignoriert wird. Ja, es wird viel darüber geschrieben, dass man E-Books nicht verleihen oder verkaufen kann. Oder dass digitale Romane nur unwesentlich billiger als Schmöker aus Pappe und Papier sind. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass in der aktuellen Diskussion die Möglichkeit, kostenlose Leseproben zu laden, als Argument für den Kauf elektronischer Bücher hervorgehoben wurde.
Ich finde, dass ist eine absolut faire Möglichkeit, die dem Kunden da eingeräumt wird. Mehr kann man kaum erwarten. Hat man zwei oder drei Kapitel gelesen, weiß man in der Regel, ob man auch den Rest des Buches verschlingen oder den Roman in die Ecke pfeffern wird. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, diese Funktion zukünftig ausgiebig zu nutzen. Oh, und tatsächlich habe ich nach ein, zwei Versuchen meinen “Traumthriller” gefunden.
Du brauchst 14 Tage für einen Thriller? Können wahrlich keine Pageturner gewesen sein
Im Ernst: Du hast zwar vollkommen Recht mit dem Argument, aber ich habe es tatsächlich auch schon erlebt, dass mich die ersten drei Kapitel eines Buches begeistern, um es mir dann zu kaufen und zu merken, dass es ab Kapitel drei echt bergab geht. Aber gut, dass kann mir im Laden beim Querlesen auch passieren.
Außerdem stehen diese seltenen Erlebnisse in keinem Verhältnis zu den unzähligen Büchern, die ich angelesen und dann nie geladen habe, weil mir schon die ersten Seiten nicht gefallen haben, obwohl Titel und Klappentext eigentlich vielversprechend waren.
14 Tage? Ja, leider. Inzwischen ist die Zeit zum Lesen von Romanen recht beschränkt. Hey, entweder man schreibt oder man liest
Das mir die ersten Kapitel eines Buches gefallen und ich es dann so gegen Mitte mit dem Weiterlesen “nicht mehr schaffe” kommt vor – aber recht selten. Meistens entscheiden bei mir die ersten zehn Seiten, ob ich ein Buch mag oder nicht.
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Trifft sich dann eigentlich gut mit dem Buch “Vier Seiten für ein Halleluja: Schreibratgeber” von Hans Peter Roentgen. In dem Buch schreibt er eigentlich hauptsächlich, dass Verlage anhand von meist nur 4 Seiten entscheiden, ob ein Buchentwurf gleich abgelehnt wird oder in eine engere Auswahl kommt. Da wohl immer mehr Leser einen Kindle E-Book-Reader von Amazon haben (hier in Wien momentan (Okt. 2012) schätze ich pro U-Bahn-Wagoon in der Rush-Hour 7-8 Geräte bei 20 lesenden Passagieren), ist es wohl mittlerweile wichtig, auf den ersten 4 Seiten besonders zu brillieren, um die Leseproben-Leser zu einem Buchkauf zu bewegen. Natürlich sollte selbstverständlich das Niveau im restlichen Roman nicht abflachen, der Leser soll ja noch weitere Romane vom selben Autor genießen wollen
Hallo, Klaus,
die Zahl “4 Seiten” war mir nicht mehr geläufig. Ist schon ‘ne Weile her, dass ich “Vier Seiten …” gelesen hab. Die Angaben, die ich hierzu zuletzt gehört hatte (war das beim “Ullstein Open House”?) waren deutlich niedriger … Interessant, was du über die E-Book Leser in Wien schreibst. Hier in Berlin werden inzwischen auch viele E-Books in der Bahn gelesen – allerdings entdeckte ich meist nur einen oder zwei.
Axel