Immer wieder habe ich in den letzten Wochen nach einem spannenden Buch zum Lesen gesucht, aber alle meine Versuche waren zum Scheitern verurteilt. Kein Schmöker schaffte es mich zu faszinieren, was also tun? Ein Buch noch einmal lesen, dass mir bereits vor vier, fünf Jahren ausgesprochen gut gefallen hatte. Und das ist “Ehrenwort” von Nelson DeMille.
“Das Spiel des Löwen” war der erste Romen, den ich von DeMille gelesen hatte. Seitdem habe ich die meisten seiner Bücher verschlungen.
“Ehrenwort” handelt von Benjamin Tyson, Anfang 40, Ehemann, Familienvater und erfolgreicher Geschäftsmann, der eines Tages von seiner Vergangenheit eingeholt wird, der Zeit, die er als Offizier in Vietnam verbracht hat. Er wird eines Kriegsverbrechens beschuldigt und von den Medien verfolgt. Schmutzige Geschichten werden über seine Frau, die in der Friedensbewegung aktiv war, ausgegraben. Tyson muss seinen lukrativen Job aufgeben und wird wieder eingezogen, damit er vor ein Militärgericht gestellt werden kann. Seine Ehe droht zu zerbrechen und es scheint wenig Zweifel daran zu bestehen, dass er die Mitschuld an der Ermordung von mehr als hundert Zivilisten, Verwundeten und Kindern trägt.
Es ist mir kaum möglich zu sagen, in welches Genre ich “Ehrenwort” einordnen würde: Ist es ein Gerichtskrimi, eine Familienstudie, ein Buch über den Vietnamkrieg und die Friedensbewegung? Nelson DeMille, der 1967 selbst als Leutnant in Vietnam war, streift jedes dieser Genre und verwebt sie auf meisterliche Art und Weise. “Ehrenwort” ist kein Buch, dass sich wie manche seiner Romane von Actionszene zu Actionszene hangelt. Es ist auch nicht oberflächlich oder klischeetriefend wie sein Terroristen-Thriller “Der Löwe”, sondern erstaunlich vielschichtig. Kein Wunder, dass es als Lektüre für amerikanische Schüler gedient hat.