Für Krimi-Leser: Schreibtechniken enttarnt – Die Erzählperspektive

Beim ersten Thema meiner Serie für Krimi-Leser, die etwas über das Handwerk des Schreibens erfahren wollen, geht es gleich richtig zu Sache: Was ist eine Erzählperspektive und wie wird sie von uns Schriftstellern genutzt, um ein spannendes Leseerlebnis zu vermitteln?

Eine kleine Vorbemerkung: Immer wieder hört man, dass der Schriftsteller die Geschichte erzählt, doch das stimmt so nicht. Tatsächlich bedienen wir Autoren uns hierzu einer Figur, dem sogenannten Erzähler. Und aus dem Verhältnis von Erzähler und dem Roman ergibt sich die Erzählperspektive.

Soweit, sogut. Natürlich gibt es nicht nur eine, sondern viele verschiedene Erzählperspektiven. Zum Glück spielen aber heute in den allermeisten Krimis spielen nur die personale und die Ich-Erzählperspektive eine Rolle (wer mehr über die auktoriale oder neutrale Erzählperspektive erfahren möchte, nur zu. Ich empfehle Marcus und meinen Autorenpodcast Die SchreibDilettanten: Folge 13 – Perspektive).

1. Die Ich-Erzählperspektive
Wie lange wollte mich Wittmann noch anstarren? Ich hatte keine Ahnung, was in seinem Beamtenhirn vor sich ging, aber ich wusste schon jetzt, der Kriminalhauptkommissar ging mir auf die Nerven. Gehörig auf die Nerven.
Hier ist der Erzähler gleichzeitig eine Figur (Perspektivfigur) des Romans, meist der Held der Geschichte. Somit gibt der Erzähler seine eigenen Wahrnehmungen und Gefühle wieder. Und nur diese!

2. Personale Erzählperspektive
Kriminalhauptkommissar Wittmann schloss die Tür des Verhörzimmers. Er hatte es nicht eilig, er wusste, früher oder später redeten sie alle.
Was fällt auf? Der Erzähler bleibt bei der personalen Erzählperspektive im Hintergrund. Wie ein unsichtbarer Beobachter, schaut er einer Figur (Perspektivfigur) sozusagen über die Schulter. Doch nicht nur das: Er kennt auch die Gefühle und Gedanken dieser Figur.

Und was bedeutet das für mich als Krimiautor? Spielt es für mich eine Rolle, welche dieser beiden Erzählperspektiven ich wähle? Klar. Je nachdem, wie ich meine Geschichte dem Leser präsentieren will, wähle ich die eine oder andere Erzählperspektive. Tatsächlich ist dies eine der ersten Entscheidungen, die ich treffen muss, bevor ich meinen Krimi zu Papier bringe.

Welche Vor- und Nachteile haben nun die beiden Erzählperspektiven? Die wichtigsten sind diese:

zu 1. Ich-Erzählperspektive

Der Ich-Erzähler kommt dem Leser am nächsten. Wenn ich einen Krimi schreibe, bei dem der Schwerpunkt auf dem Helden und weniger auf der Geschichte oder anderen Figuren liegt, ist es vielleicht eine gute Idee, diese Perspektive zu wählen. Wichtig: Es ist keine gute Idee, den Ich-Erzähler von Kapitel zu Kapitel mit einem personalen Erzähler zu vermischen oder gar mehrere Ich-Erzähler zu haben. Beides irritiert den Leser. Daraus folgt, dass ich an dem Ich-Erzähler festhänge und wirklich nur das erzählen kann, was dieser erlebt. Dadurch kommen die anderen Figuren der Geschichte (insbesondere der Schurke) – meist zu kurz. Und was in Abwesenheit der Perpektivfigur geschieht, kann ich nur über Umwege darstellen.

zu 2. – Die personale Erzählperspektive

Und genau dort, wo die Schwäche der Ich-Erzählperspektive liegt, liegt die Stärke der personalen Erzählperspektive. Wenn ichmich für sie entscheide, ist es ohne weiteres möglich, von Kapitel zu Kapitel eine andere Perspektivfigur zu wählen: Den Helden, den Schurken, ein Opfer – wie auch immer. Toll, oder? Allerdings, durch die Beobachterperspektive, wird immer eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und diesen Figuren bestehen.

Eine ganze Menge Stoff, oder? Es würde mich freuen, wenn meine kleine Exkursion in die Welt der Schreibtheorie dem einen oder anderem Leser hilft, wenn er das nächste Mal im Buchladen steht und den perfekten Krimi für sich sucht.

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