Meine Top 3 der Kriminalromane

3. „Das Ehrenwort” von Nelson DeMille

DeMille ist in jüngerer Zeit durch seine John Corey Serie bekannt geworden, doch mein Lieblingsbuch des amerikanischen Autors ist “Das Ehrenwort” (im Engl. „Word of Honour”) in dem Nelson DeMille seine eigenen Vietnam-Erfahrungen verarbeitet. Benjamin Tyson ist der „Held” dieser Geschichte, die eigentlich keine Helden kennt. Er ist nicht mehr ganz jung und hat es inzwischen „zu etwas gebracht”, wie man so schön sagt. Doch eines Tages holt ihn seine Vergangenheit ein. Ein Journalist veröffentlicht ein Buch über den Vietnam-Krieg und in Folge dieser Veröffentlichung wird Tyson eines Kriegsverbrechens verdächtigt. Er wird wieder in die Armee eingezogen und vor ein Kriegsgericht gestellt. Es entspinnt sich eine fesselnde Mischung aus Gerichts- und Geschichtsdrama, das mich von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen hat. Die gedruckte Ausgabe des Buches ist inzwischen nicht mehr ganz leicht zu bekommen, das engl. Original gibt es aber z. B. im Kindle Store.

 

2. “Spur der toten Mädchen” von Michael Connelly

Nicht nur Fans der TV Serie „Castle” kennen den amerikanischen Schriftsteller Michael Connelly. Er hat eine Vielzahl von Kriminalromanen verfasst, von denen es mehrere bis nach Hollywood geschafft haben. Mit „Spur der toten Mädchen” lässt er nun seine beiden Hauptfiguren, den Kriminalpolizisten Harry Bosch und den Strafverteidiger Michael Haller gemeinsam in einem Fall ermitteln. Für Haller wird dies eine ungewöhnliche Aufgabe, denn in diesem Buch tritt er nicht als Strafverteidiger, sondern als Staatsanwalt vor die Schranken des Gerichts. Es geht um einen Fall, der bereits 20 Jahre zurückliegt, doch das damals erzielte Urteil wird angefochten und das ganze Verfahren muss noch einmal aufgerollt werden. Für jemanden der selbst schreibt besonders interessant: Wie Connelly den Roman aus den Perspektiven seiner beiden Helden – mal in der 1. mal in der 3. Person – geschrieben hat. Gut gemacht und spannend.

 

1. „Feuer in Berlin” von Philip Kerr

Mein absoluter Lieblingskrimi stammt aus der Feder eines Briten. Es handelt sich um den ersten Band von Kerrs Berlin-Trilogie, der im Vorfeld der 1936er Olympischen Spiele in Berlin spielt. Die Nazis sind an der Macht, überall in der Stadt hängen Hakenkreuzfahnen, doch vor der Weltöffentlichkeit ist Deutschland bemüht, trotz Judenverfolgung und des drohenden Krieges ein gutes Bild abzugeben. Bernhard Gunther ist Privatdetektiv, ein abgebrühter Hard-Boiled-Detective in der Tradition von Sam Spade und Konsorten. Er ermittelt in einem Raub- und Mordfall, doch der politische Großwetterlage kann auch er sich nicht entziehen. Was mich an Kerrs Romanen besonders fasziniert: Wie er Geschichte und Politik glaubwürdig mit Kriminalfällen kombiniert. Ein lehrreiches und absolut spannendes Buch.

Buchvorstellung: „Mission Walhalla” von Philipp Kerr

Im englischen Original heißt das neuste Buch des britischen Thriller- und Kriminalautors „Fieldgrey” und dieser Titel ist wirklich passend, denn immer wieder spielt die Zeit des 2. Weltkriegs eine große Rolle. Zunächst spielt der Roman aber in den 1950er Jahren. Nachdem es Bernie Gunther in den vorangegangenen Büchern schließlich nach Cuba verschlagen hatte, flieht er im 7. Band der Buchreihe von der Insel und gerät dabei in die Fänge der amerikanischen CIA.

Auf verschiedenen Zeitebenen erzählt Kerr die Geschichte von Bernie Gunter und Erich Mielke (ja, genau, dem späteren DDR Minister für Staatssicherheit). Alles beginnt damit, dass Mielke im Berlin der Weimarer Republik einen Mord an Polizisten verübt. Bernie ermittelt in der Angelegenheit, verfolgt zunächst Mielke, lässt ihn aber später entkommen und rettet ihm sogar das Leben.

Ich will nicht zuviel über die Handlung verraten, nur soviel, der Großteil wird in Rückblenden erzählt und im Verlauf des Romans findet sich Bernie immer in Gefangenschaft wieder. Mal gerät er in die Hände der Amerikaner, mal in die der Franzosen, der Russen, der Stasi…

Wie von Kerr nicht anders zu erwarten, ist der Roman sehr souverän geschrieben. Die Sprache ist hervorragend und Bernie Gunther so abgebrüht wie eh und je. Man erfährt nebenbei eine Menge über die Geschichte der Vor- und Nachkriegszeit, denn der Autor verquickt – typisch für Kerr – Historisches mit Erfundenem (im Anhang werden dem Interessierten Empfehlungen zum weiteren Studium gegeben. Offensichtlich hat sich Kerr sehr eingehend mit der Materie beschäftigt).

Woran „Mission Walhalla” krankt: Die Tour durch die verschiedenen Zeitebenen ist schon ein wenig wild, immer wieder hatte ich das Gefühl, den Anschluss zu verlieren. Leider hat sich mir so etwas wie ein Handlungsfaden erst sehr spät entschlossen. Ein gutes Buch, aber nicht das beste des Autors.