Die Top 10 meiner Schreibtools

Schreiben ist eine Tätigkeit, für die man eigentlich nicht viel benötig: Ein Bleistift, ein wenig Papier und es kann losgehen – sollte man meinen. Dennoch, es gibt auch eine Menge Werkzeuge, die dem Schriftsteller das tägliche Handwerk erleichtern. Ich habe mich mal hingesetzt und die Top 10 meiner Schreibtools verfasst.

 

10. Mein Kaffeepott

Was ist der Schriftsteller ohne einen Kaffee? Oder in meinem Fall einem heißen Tee (Hagebutte) am frühen Morgen und dem Latte Macchiato am Nachmittag? Zum Wachwerden oder wach bleiben. Klar, man kann es auch wie Ernest Hemingway machen und das Heißgetränk durch einen „Cuba Libre“ ersetzen, aber meiner Meinung nach, schreibt es sich nüchtern einfach besser (und vor allen Dingen, das Risiko, sich dann irgendwann mit einer Flinte den Kopf wegzublasen, ist mit klarem Kopf deutlich geringer).

9. Externe Festplatte
Gibt es etwas Schlimmeres, als die Arbeit von Tagen, Wochen oder gar Monaten durch einen falschen Tastendruck oder einen defekten Computer zu verlieren? Einmal ist mir das tatsächlich passiert. Zum Glück waren nur zwei Kapitel. Dennoch, beim jedem Buchstaben, den ich noch einmal tippen musste, hatte ich das Gefühl, nur halb so gut wie beim ersten Mal zu sein. Und wenn ich daran denke, einen kompletten Romanentwurf zu schrotten … Brr, nein danke. Ich setze jetzt auf eine externe Festplatte, auf der ich regelmäßig meine Arbeit sichere.
8. Duden-App
Muss ich dazu etwas sagen? Kurzes Quiz, heißt es „zu hause“, „zuhause“ oder „zu Hause“? Mein Hirn ist in der Beziehung wie ein Sieb. Ich kann nicht sagen, wie oft ich das inzwischen nachgeschlagen habe (Übrigens, für alle, die sich nicht ganz sicher sind, richtig sind Antwort 2 und 3. Empfohlen wird „zu Hause“). Und da ich mit der Zeit gehe, verwende ich inzwischen die Duden-App für das iPhone, die habe ich immer dabei und das Nachschlagen dauert im Gegensatz zu dem gelben Buch, mit dem ich ich mich durch die Schule gequält habe, nur wenige Sekunden.

7. iA Writer
Das kleine Schreibprogramm für den Mac, iPad und das iPhone. Mit dem schreibe ich meine ersten Entwürfe. Nichts lenkt ab und das Geschriebene wird mit allen meinen Geräten synchronisiert. Klasse. Übrigens: Diesen Artikel habe ich auch auf iA Writer getippt.
6. Laufschuhe
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper (oder so ähnlich). Tagein, tagaus mit krummen Rücken am Schreibtisch zu hocken ist nicht gesund. Also Laufschuhe anziehen und eine Runde durch die Nachbarschaft drehen. Das hilft nicht nur der Gesundheit, nein, es ist auch meine Gelegenheit, meine Lieblingspodcasts zu hören und die Gedanken schweifen zu lassen. Tatsächlich, meine besten Schreib- und Überarbeitungsideen sind mir beim Laufen gekommen.
5. Papyrus Autor
Die letzte Software, durch die ich meine Manuskripte jage. Für meinen Geschmack nicht hübsch anzuschauen, aber unübertroffen fürs Überarbeiten. Klasse Fehler- und Grammatikkorrektur. Gnadenlos, wenn es um das Aufspüren zu langer Sätze oder sich wiederholender Worte geht.
4. Wikipedia
Die Recherche steht am Anfang jedes Schreibprojekts. Ja, es gibt viele, die über Wikipedia spotten und dicke Fachbücher oder den Gang zur Bibliothek vorziehen. Und ja, auch ich habe viel zu viel Geld in das eine oder andere Sachbuch investiert. 95% der Recherchearbeit lässt sich aber meiner Erfahrung nach mit dem genialen Onlinelexikon erledigen.
3. iPod
Schreiben oder lesen? Die Frage stellt sich für mich oft. Eine Möglichkeit, trotz mehrerer Stunden am Schreibtisch zum Lesen zu kommen, das praktische Hörbuch für unterwegs. Und nicht nur das: Schreibbücher gut und schön. Die besten Schreibtipps verdanke ich aber Schreibpodcasts wie „Writing Excuses“. Und wie höre ich die? Natürlich unterwegs. Kleine Anmerkung am Rande. Statt den „Writing Excuses“ kann man natürlich auch unserem Autorenpodcast „Die SchreibDilettanten“ prima am iPod lauschen.
2. Scrivener
Das absolut beste Schreibprogramm aller Zeiten: Scrivener. Perfekt zum Plotten und Schreiben eines Romans. Voller nützlicher Features, die ich an dieser Stelle unmöglich alle aufzählen kann. Inzwischen nicht nur für den Mac sondern auch für PCs zu haben. Und hoffentlich bald auch mit einer Version für Mobilgeräte.
1. Mail
Und was steht auf dem ersten Platz meiner Top 10 der Schreibtools? Mein E-Mail-Programm. Man braucht es nicht nur, wenn man endlich ein Projekt abgeschlossen hat und verzweifelt einen Agenten oder einen Verlag sucht. Nein, gerade bei der Entstehung eines Romans ist es für mich absolut unverzichtbar. Für mich steht und fällt das Schreiben mit der Möglichkeit, mich mit anderen Schriftstellern auszutauschen. Sich gegenseitig zu motivieren, sich anzufeuern. Erste Entwürfe eines Manuskripts auszutauschen und gemeinsam zu besprechen. Ratschläge einholen oder auch selbst Tipps zu geben. So viele Stunden sitzt man alleine am Computer, dennoch oder gerade deshalb ist die Kommunikation mit Gleichgesinnten das A und O und die schnelle E-Mail wie geschaffen dafür.

Wie beginne ich ein Romanprojekt? 7. Teil: Eine Frage der Perspektive …

Schon beim Schreiben meines Stufendiagramms fiel mir auf, dass der Leser meines Romans vielleicht Schwierigkeiten haben wird, die Motive des “Schurkens” zu verstehen. Die Ursache des Problem liegt in der Perspektive des Romans. Wie bereits in “Auf brüchigem Asphalt” habe ich mir auch dieses Mal vorgenommen, in der 1. Person zu schreiben.

Wer sich genauer mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Perspektiven beschäftigen möchte, dem lege ich gerne die entsprechende Folge von Marcus und meinem Podcast  Die SchreibDilettanten ans Herz. Nur soviel: Wenn man in der 1. Person schreibt, kann man dem Leser natürlich auch nur “zeigen”, was die Perspektivfigur – in meinem Fall Jacqueline Wagner, die Heldin meines Romans – selbst erlebt. Gerade in einem Krimi tut man sich da schwer, denn meist ist es so, dass der Held erst in einem der letzten Kapitel auf den Schurken trifft.

Was also tun?

Schummeln. Viele Autoren behelfe sich, indem sie Kapitel einfügen, die dann die 3. Person als Perspektive wählen und die Geschichte mit Blick auf den Schurken erzählen. Das Problem: Der Leser wird durch den Wechsel der Perspektive irritiert und aus dem Lesefluss gerissen. Im schlimmsten Fall legt er das Buch dann beiseite.

Einen Vormittag habe ich mit mir gerungen, was ich nun tun soll, dann habe ich eine salomonische Entscheidung gefällt: Ich habe drei Kapitel in mein Stufendiagramm eingefügt, die ich in der 3. Person über den Schurken schreiben werde. Jedes dieser Kapitel soll kurz sein, sehr kurz, nicht mehr als ein oder zwei Seiten. Höchstens. Die Handlung in diesen Kapiteln ist minimal, ich konzentriere mich voll auf das Innenleben des Schurken. Ebenso werde ich sie so gestalten, dass ich sie jederzeit aus meinem Manuskript werfen kann, wenn ich später merke, dass der Bruch durch den Perspektivwechsel zu groß sein sollte.

Mal sehen, ob das so funktioniert, wie ich es mir vorstelle.

Wie beginne ich ein neues Romanprojekt? 6. Teil: Das Stufendiagramm

Vor ein paar Tagen habe ich das Stufendiagramm meines neuen Romanprojektes abgeschlossen. Ein Stufendiagramm? Nun, das ist nichts anderes, als die Handlung von Anfang bis Ende in einer geordneten, chronologischen Form aufgezeichnet (wer mehr zu dem Thema wissen will: James N. Frey lässt sich u.a. in seinem Buch “Wie man einen verdammt guten Roman schreibt” ausführlich darüber aus. Ebenso gehen Marcus und ich in unserem Podcast “Die SchreibDilettanten” mehrfach auf das Thema ein ).

Mein Vorgehen bei der Entwicklung des Stufendiagramms war dieses Mal ein wenig ungewöhnlich. Statt vom Groben zum Feinen zu arbeiten (d.h. ausgehend vom 7-Punkte-System zu den wichtigsten Kapiteln und Szenen erst ein paar Sätze zu notieren und dann das Skelett mit mehr und mehr Fleisch zu füllen), habe ich mit dem ersten Kapitel begonnen und mich Kapitel für Kapitel (natürlich immer mit einem Blick auf mein 7-Punkte-System) zum Ende vorgearbeitet. Jedes Kapitel habe ich dabei – für meine Verhältnisse – schon ziemlich detailliert ausgearbeitet, sodass mein Stufendiagramm schließlich rund 40 Seiten lang war.

Warum bin ich so vorgegangen?

Mein letztes Romanprojekt “Auf brüchigem Asphalt” war mehr Thriller als Krimi. Bei “Im Scheinwerferkegel” ist es jedoch genau umgekehrt: Die Suche nach einem Serienkiller spielt eine wichtige Rolle und dementsprechend benötige ich eine Vielzahl von Hinweisen, um meine Heldin auf die richtige Spur zu bringen. Ebenso muss es aber auch einige falsche Fährten geben, die meine Heldin – und damit auch den Leser – in Verwirrung stürzen. Puh, gar nicht so einfach, da nicht die Übersicht zu verlieren – und deshalb meine sehr geradlinige Planung.

Führte dies zu Problemen?

Klar. Obwohl ich von Anfang an ein klares Ziel vor Augen hatte (und durch das 7-Punkte-System ein paar “Pfosten”, an denen ich mich immer wieder orientieren konnte), kam es alle vier oder fünf Kapitel vor, dass ich keine Ahnung hatte, wie es weitergehen sollte.

Was tun?

In solchen Augenblicken lehne ich mich erst einmal zurück, atme tief durch … und lege dann in Scrivener eine Seite zum Brainstorming an. Wo stehe ich, wo will ich hin, wie könnte es weitergehen? Selbst die unsinnigsten Ideen schreibe ich auf und selten kommt es vor, dass ich nach 30 Minuten nicht weiß, was geschehen könnte. In hartnäckigen Fällen lege ich eine längere Pause ein. Spätestens wenn ich durch den Wald jogge (oder am Abend im Bett liege) kommt mir dann der Einfall, der mich weiterbringt.

Insgesamt habe ich rund zwei Wochen an dem Entwurf des Stufendiagramms gesessen. Ein paar Tage habe ich es liegen lassen und dann alles noch einmal von vorne geprüft. Werden dem Leser alle notwendigen Informationen gegeben? Gibt es Schwachstellen was die Spannung betrifft? Kommt keine der Figuren zu kurz? Ist das Ende für den Leser befriedigend u.s.w.

Mein Tipp: Man darf nicht nur dem eigenen Urteil vertrauen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass man selbst jedes Problem entdeckt – und wenn man erst beim Schreiben merkt, dass es eine Schwachstelle im Stufendiagramm gibt, gerät man in ernste Schwierigkeiten. Deshalb, wenn die Möglichkeit besteht, das Stufendiagramm unbedingt jemanden zur Durchsicht geben. Am besten einem anderen Autor (Danke, Marcus ;-) ).

Die SchreibDilettanten – Folge 12 unseres Podcasts: Schreibziele

Morgen erscheint die 12. Folge unseres Podcasts für Romanautoren. Diesmal berichten die SchreibDilettanten über Schreibziele. Sollte man sich solche setzen? Und wenn ja, wie? Viel Spaß beim Hören und wie immer, gibt es die Folge sowohl auf unserer Website, als auch bei iTunes.

Was man als Leser über das Schreiben von Romanen wissen sollte

Die Bretter meines Bücherregals verbiegen sich von dem Gewicht zahlloser Bücher über das Schreiben von Romanen. „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt – Band 2“ und so ziemlich jedes andere Buch von James N. Frey, „Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King, Sol Steins „Über das Schreiben“ und geschätzte eine Million weitere Bücher (das ist jetzt ein wenig übertrieben, aber es dürfte klar sein, was ich meine). Kein Wunder, wenn man Romane schreiben will, sollte man eine ungefähre Ahnung haben von dem, was man tut. Und der dritt- oder viertbeste Weg ist eben das Studium von Fachliteratur.

Als ich vor ein paar Tagen mal wieder mit dem Lesen eines neuen Krimis begonnen hatte, wurde mir klar, wie sehr das Studium dieser Bücher meine Lesegewohnheiten verändert hatte.

Bereits in der ersten Szene ertappte ich mich dabei, dass ich   analysierte, wie der Autor seinen Helden einführt und welcher Kniffe er sich dabei bedient. Jede Figur betrachtete ich hinsichtlich ihrer Funktion und natürlich nahm ich den Aufbau der Story hinsichtlich der monomythischen Reise-des-Helden, 3-Akt bzw. 7-Akt-Struktur auseinander. Puh. Klingt ein wenig anstrengend – und war es auch.

Dennoch, das Werk eines Schriftstellers auf diese Art und Weise „auseinanderzunehmen“ hat seinen besonderen Reiz. Es ist mindestens so spannend, wie auf 400 Seiten der Jagd nach einem blutrünstigen Serienkiller zu folgen. Plötzlich fängt man an, nicht nur das „Was“ wahrzunehmen, sondern sich auch um das „Warum“ und „Wie“ zu kümmern. Eine tolle Erfahrung, wenn man erkennt, was alles „hinter der Fassade“ eines Buchs lauert.

Deshalb mein Tipp an alle begeisterten Leser: Schnappt euch ein Buch über das Schreiben von Romanen (für einen leicht lesbaren und vergnüglichen Einstig z.B. das oben erwähnte Buch von Stephen King oder „Wie man einen verdammt guten Krimi schreibt“ von dem bereits erwähnten James N. Frey) und lest es an ein, zwei Wochenenden einfach einmal durch. Ebenso kann es eine gute Idee sein, mal spaßeshalber einen Podcast übers Romanschreiben (“Writing Excuses”, wenn man der englischen Sprache mächtig ist, oder – Achtung, Eigenwerbung! ;-)  - “Die SchreibDilettanten” zu hören). Jede Wette, zukünftig wird euch das Lesen von Romanen noch mehr Vergnügen bereiten.