(Schreib-) Vorsätze für das neue Jahr

Gute Vorsätze
Nur noch wenige Tage, dann beginnt 2013. Das ist die Gelegenheit, die letzten 365 Tage Revue passieren zu lassen – und wenn man den Fernseher anschaltet, sieht man kaum etwas Anderes, als die Top-Nachrichten 2012 – und vor allen Dingen auch, gute Vorsätze für das nächste Jahr zu fassen. Weniger zu essen, mehr Sport zu treiben… ja, ja, wer kennt das nicht? Und gerade, wenn man seine Zeit mit dem Schreiben verbringt, kann man den Jahreswechsel nutzen, um kurz innezuhalten. Sich zu überlegen, was man im letzten Jahr erreicht hat und sich Ziele für das nächste Jahr zu setzen.

Ist das sinnvoll?
Sich Ziele für das nächste Jahr zu setzen, ist das sinnvoll? Nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Fühlt man sich von solchen Überlegungen angespornt oder unter Druck gesetzt? Wenn letzteres der Fall ist, dann sollte man es besser lassen. Mir geht es so, dass mir das Schreiben leichter fällt, wenn ich weiß, was ich als nächstes erreichen will, aber das muss ja nicht jedem so gehen.

Wie sollte man sich Ziele setzen?
Ein Ziel muss klar definiert sein, ansonsten ist es sinnlos. Ich meine damit, man muss in der Lage sein, nachzuvollziehen, ob man es erreicht hat oder nicht. Ein Ziel wie: „Ich will besser schreiben“ ist vor diesem Hintergrund sicherlich nicht sinnvoll. Wie soll ich mich daran messen? Testleser abstimmen lassen? Wohl eher nicht. Und wenn ich nicht weiß, ob ich mein Ziel erreicht habe, weshalb habe ich es mir dann gesetzt?
Besser wäre ein Vorsatz wie „ich will mehr als im Vorjahr schreiben“. Aber, meine ich damit mehr Worte oder mehr Zeit, die ich mit dem Schreiben verbringe?
Am besten ist eine klare Vorgabe. „Ich will bis zum 1. April 200.000 Worte geschrieben habe“, „Ich möchte den ersten Entwurf meines Romans innerhalb von zwei Monaten vollendet haben“ oder „Spätestens am 1. Juli möchte ich ein Manuskript haben, dass ich einem Verlag oder einer Agentur vorlegen kann.“

Zwischenziele
Für ein Jahr im Voraus zu planen? Keine leichte Aufgabe und vor allen Dingen, will ich mich wirklich erst am Ende des Jahres an meinen Zielen messen? Was, wenn ich dann merke, dass ich noch Luft für mehr gehabt hätte oder nach meinen eigenen Ansprüchen nicht genug getan habe?
Aus diesem Grund halte ich es für sinnvoll, sich Zwischenziele zu setzen. Wenn ich mir zum Beispiel vornehme, 2013 einen Thriller zu schreiben, sollte ich mir überlegen, wann die Idee, wann der Plot und wann der erste Entwurf stehen sollten. Genauso ist es möglich, sich Tagesziele zu setzen. Das beste Beispiel: Der NaNoWriMo. Da weiß ich, dass ich jeden Tag 1667 Wörter schreiben muss. Mindestens. Und wenn ich heute besonders fleißig bin, muss ich morgen nicht ganz so viel machen.

Kontrolle
Sich Ziele zu setzen, ohne zu kontrollieren, ob man sie einhält, ist Zeitverschendung. Und meiner Erfahrung nach ist es am besten, wenn man die eigenen Ziele zu Papier bringt, d.h. sich eine Liste macht, auf die man regelmäßig einen Blick wirft. Um beim NaNoWriMo zu bleiben, dort trägt man jeden Tag ein, wie weit man gekommen ist. Nun, natürlich muss man nicht so sehr ins Detail gehen, es kann aber sinnvoll sein, in einem Schreibtagebuch zu protokollieren, was man geschafft hat und was nicht.

Und dann?
Was mache ich, wenn ich merke, dass ich meinen eigenen Ansprüchen auf die eine oder andere Art nicht entspreche?
Nun, im positiven Fall merke ich, dass ich mir die Latte zu niedrig gehängt habe. Bis zum 30. April eine Kurzgeschichte schreiben? Ein Klacks. Ich bin schon Ende Januar fertig. Toll. Nun sollte ich meine Energie aber nicht ungenutzt verpuffen lassen und mich zwei Monate auf die faule Haut legen. Stattdessen sollte ich mir weitere, etwas höhere Ziele stecken.
Auf der anderen Seite, was tun, wenn ich im Juni mit dem ersten Entwurf eines epischen Fantasyromans fertig sein wollte, aber am 15. August gerade erst zwei Kapitel geschafft habe? Erst einmal: Nicht verzweifeln. Keine Grund, in Panik auszubrechen oder sich zur Strafe ohne Abendessen zu Bett zu schicken. Stattdessen sollte man sich ruhig hinsetzen und überlegen, weshalb Anspruch und Wirklichkeit soweit auseinandergehen. Habe ich mich und meine Möglichkeiten völlig falsch eingeschätzt? Gibt es ein besonderes Problem, an dem ich knabbere und das mich so aufgehalten hat?
Mir ist es in solchen Fällen mit etwas Abstand immer gelungen, herauszufinden, was schief gelaufen ist. Und wenn man erst einmal weiß, was los ist, fällt einem bestimmt eine Möglichkeit ein, wie man damit umgehen kann. Die Schreibziele korrigieren, sich noch einmal mit dem Plot beschäftigen, sich mehr Schreibzeit freischaufeln … wie auch immer.

Wichtig
Die Ziele, die man sich setzt, sollen kein starres Korsett, sondern vielmehr ein Ansporn und eine Hilfe sein. Sie müssen flexibel sein. Man muss nur einen Blick in die Zeitung werfen: Wann ist das letzte Mal ein Bauprojekt pünktlich und zu den geplanten Kosten fertiggeworden? Weshalb sollte es einem selbst besser gehen, wenn selbst Profis so oft danebenliegen? Und da sich seine Schreibziele selbst gesetzt hat, ist man auch nur sich selbst verantwortlich. Sie sollen ein Ansporn sein, keine Hürde, an der man scheitern kann.

Der erste Satz eines Romans – “Über das Schreiben” von Sol Stein

Bin weiter dabei, meine fachlichen Lücken zu füllen und Sol Steins “Übers das Schreiben” zu studieren.

Stein weist darauf hin, dass die ersten Sätze eines Romans stimmen müssen, denn die wenigstens Leser werden ein Buch lesen, wenn sie der Anfang nicht fesselt. Daraus folgt: Die ersten Sätze müssen eine Frage aufwerfen, die so spannend ist, dass der Leser nicht anders kann, als auch die nächsten Sätze, Absätze und Seiten zu verschlingen.

Sein Tipp: Einfach mal ein paar Bücher aus dem Schrank nehmen und schauen, wie andere Autoren ihre Romane beginnen.

Gesagt, getan. Lese gerade: “Die Auserwählten – im Labyrinth” von James Dashner. Der erste Satz:

“Sein neues Leben begann im Stehen, umgeben von kalter Dunkelheit und staubiger Luft.”

Klasse Satz. Die wichtigste Frag, die der Autor aufwirft: “Sein neues Leben…” Unwillkürlich will man wissen: a) was ist mit dem alten Leben des Helden, b) weshalb beginnt ein neues Leben. Zwei ungewöhnliche Fragen, die den Leser zum Weiterlesen zwingen.