Auf meinem Youtube-Kanal stelle ich den Krimi „Hitze“ (im Englischen: „The Dry“) der australischen Autorin Jane Harper vor. Soviel vorweg: nicht nur das interessante Setting hat mit gefallen.

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Ich freue mich unfassbar! Vor zwei Stunden hat mich die Nachricht erreicht, dass mein Thriller „Schwarzer Rost“ es auf die Longlist des Deutschen Selfpublishing Preises geschafft hat. Wahnsinn! Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer: Vielen, vielen Dank an alle, die mich beim Schreiben und der Veröffentlicht haben! Vielen Dank an meinen Autorenkollegen und Mit-SchreibDilettanten Marcus Johanus, der wie immer mein erster Kritiker war. Vielen Dank an meine Testleser Tanja, Michael und Regina, die mich mit wichtigen Hinweisen versorgt haben. Vielen Dank an Kerstin Brömer, die sich wieder einmal um das Lektorat gekümmert hat. Und vielen Dank an Claudia Toman von Traumstoff für das fantastische Cover! Vielen Dank an meine wunderbare Familie, die mich immer unterstützt hat. Und vor allem vielen, vielen Dank an alle meine Leser!

Danke,

Axel Hollmann 🙂

Die Autorensoftware „Scrivener“ von Literatur & Latte wird von vielen Schriftstellern gerne verwendet. In meinem Video beschreibe ich, wie der nützliche Namensgenerator des Programms für eigene Schreibprojekte angepasst werden kann. Schauen Sie sich auch die Folge #338 der SchreibDilettanten – dem Autoren-Youtubechannel meines Kollegen Marcus Johanus und mir – an, der als Inspiration für den Tipp gedient hat.

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Wenn du wissen willst, wie es aussieht, wenn ich ein Video für den Youtube Autorenchannel „Die SchreibDilettanten“, den ich wöchentlich zusammen mit meinem Freund und Autorenkollegen Marcus Johanus herausgebe, schneide, dann wirf einen Blick auf meinen Youtube-Kanal. Ein kleiner Tipp: Wenn du meinen Youtube-Channel abonnierst, bleibst du auch weiterhin auf dem Laufenden.

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Jeder Autor kennt das Problem, wie finde ich einprägsame und darüber hinaus passende Namen für meine Romanfiguren. In dieser Folge unseres Autoren-Youtube-Channels nehmen mein Autorenkollege Marcus Johanus und ich uns dieser Frage an. Darüber hinaus plaudern wir ein wenig „aus dem Nähkästchen“ und verraten, wie wir Namen für unsere Romanfiguren finden.

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In meinem Video stelle ich das nächste Berliner Regionaltreffen des Selfpublisher Verband e.V. vor: „Strategien für (angehende) Autoren – Wie du deinen Schreiballtag erfolgreich organisierst“. Von und mit Anja Schreiber.
 
Die Veranstaltung findet am 06.09.18 um 19.00 Uhr im Kulturhaus Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin, statt.
 
Der Eintritt ist frei! Auch Nicht-Mitglieder des Verbands sind sehr, sehr herzlich eingeladen!

 

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Vielleicht wissen Sie es ja: Zusammen mit meinem Autoren-Kollegen Marcus Johanus gebe ich seit nunmehr 337-Folgen den ehemaligen Podcast und jetzigen Youtube-Channel „Die SchreibDilettanten“ heraus. „Die SchreibDilettanten“ richten sich an jeden, der mit dem Gedanken spielt, mit dem Schreiben zu beginnen. Wir plaudern aus dem Nähkästchen und versuchen, die Erfahrungen, die wir in den Jahren unserer Autorentätigkeit gesammelt haben, auf unterhaltsame Weise weiterzugeben.

In dieser Woche ist das Thema „Outsourcing für Autoren“.

Ja, das Schreiben ist eine fordernde Tätigkeit und das bedeutet oft, dass man nicht alles selbst machen kann oder will. Sowohl, wenn es ums Schreiben geht, als auch im Alltag. Wie kann ich mir als Autor Hilfe suchen? Was ist sinnvoll? Was weniger?

Das sind die Fragen, denen wir uns in einer Viertelstunde widmen.

Auch wenn Sie nicht daran denken, mit dem Schreiben zu beginnen, würden wir uns freuen, wenn Sie bei uns vorbeischauen würden. Vielleicht nehmen Sie ja die eine oder andere Anregung für Ihren Alltag mit.

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Wenn du mehr über meinen neuen Thriller „Schwarzer Rost“ erfahren möchtest, dann empfehle ich dir das Special-Video der SchreibDilettanten. Worum geht es in dem Roman? Wie ist er entstanden? Was unterscheidet ihn von meinen „Julia-Wagner-Romanen“ … und was hat er mit ihnen gemein? Wirf einen Blick in das Video, falls du das erfahren willst.

By the way: An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an meinen Autorenkollegen und Mit-SchreibDilettanten Marcus Johanus, der mich wieder einmal mit Kräften unterstützt hat. Danke, Marcus 🙂

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Lieber Thriller-Fan,

Interessieren Sie sich für meinen neuen Thriller „Schwarzer Rost“? Hier ist ein kurzer Auszug aus dem Roman. Falls er Ihnen gefällt, können Sie ihn als Taschenbuch und E-Book im Buchhandel und in den üblichen Webshops erhalten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Axel Hollmann

 

SCHWARZER ROST

Johannesburg-Südafrika ·Denver-USA ·Kuala Lumpur-Malaysia

Ein Pilz vernichtet die Getreideernten Afrikas. Unaufhaltsam breitet sich der Schwarze Rost von dort über die Welt aus. Millionen verhungern. Der Journalist Finn Sadah berichtet aus einem Flüchtlingslager, das die Chinesin Jin Mae mit dem Vermögen ihres verstorbenen Vaters finanziert. Doch es kommt zu einer Katastrophe. Finn zerstört ihr Lebenswerk und damit ihre Freundschaft. Er sieht nur eine Chance, seine Schuld zu sühnen: Er muss den Schwarzen Rost besiegen. Die Suche nach einem Heilmittel verstrickt Finn in eine weltumspannende Mordserie an Genforschern und schließlich gerät der Journalist in die Schusslinie eines skrupellosen Söldners.

Lüge ist Wahrheit.

PROLOG

Wie oft er den Brief in den letzten Tagen verflucht hatte. Den Brief, der ihn quer über den indischen Subkontinent an diesen furchtbaren Ort geführt hatte. Raj Kamal Singh nahm die Aktentasche, in der sich das Schreiben befand, in die linke Hand. Mit der rechten fischte er sein Taschentuch aus der Hosentasche.

Die goldene Stadt wurde Jaisalmer auch genannt, doch Jaisalmer stank!

Beim Anblick der flachen Häuser aus gelbbraunem Sandstein und der unbefestigten Straßen empfand er nichts als Verachtung. Die westlichen Touristen mochten die Stadt inmitten der Wüste Thar exotisch nennen, verzückt durch die engen Gassen der Altstadt streifen oder Fotos von dem alten Fort auf dem Trikuta-Felsen schießen. Er dagegen wünschte sich nur, weit weg zu sein. Weit, weit weg. Daheim, am Fachbereich für Biologie der Universität von Mumbai. Wo sein Land das Joch des Kolonialismus abgestreift hatte und in eine stolze Zukunft blickte. Eine Zukunft, in der sich der azurblaue Himmel Indiens in glänzenden Hochhausfassaden spiegelte und in der es nicht nach Fäkalien stank. Weder nach Fäkalien noch nach den Leibern, die in den Gruben vor Jaisalmer verbrannt wurden. Am Tag und selbst in der Nacht, so viele Tote waren es inzwischen.

Er presste sich das Taschentuch vor die Nase.

Ein Mann in einer schmutzigen Baumwollkurta hob eine Augenbraue, als er es sah. Singh verzog keine Miene. Wozu sollte er sich seine Verärgerung anmerken lassen? Nein, er hatte es nicht nötig, sich eine solche Blöße zu geben. Wenn dieser Kerl ihn für einen Snob hielt, na und? Das war allemal besser, als den furchtbaren Gestank auch nur eine Sekunde länger zu ertragen.

An der nächsten Straßenecke blieb er stehen, um einen Moment zu verschnaufen. Raj Kamal Singh fuhr sich durch die grauen, schütteren Haare. Er war nicht mehr der Jüngste, auch wenn es ihm schwerfiel, sich das einzugestehen.

In der Nacht hatte es geregnet. Ein Bus rumpelte durch eines der unzähligen Schlaglöcher und grauer Schlamm spritzte auf seine Kaschmirhose.

»Hey!«, schrie Singh, doch die Leute, die aus den offenen Seitenfenstern des völlig überfüllten Fahrzeugs hingen, starrten ihn lediglich teilnahmslos an. Mit seinem Taschentuch wollte er den Dreck wegwischen, doch er verteilte ihn nur über den teuren Stoff. Wütend schmiss er das ruinierte Leinen zu Boden. Und auch die Hose war hin. Dreißigtausend Rupien hatte sie gekostet. Mehr als die meisten Inder in einem Vierteljahr verdienten.

Singh ballte die Hände zu Fäusten. Was für eine Schweinerei! Dieses verdammte Pack! Warum blieben die Leute nicht in ihren Dörfern? Glaubten sie, ihrem Schicksal in Mumbai oder Panaji zu entkommen? Nein, natürlich würden sie das nicht. Im Gegenteil, wie ein gieriger Heuschreckenschwarm verbreiteten sie den Hunger immer weiter und weiter. War das so schwer zu begreifen? Nein, aber aus welchem Grund auch immer, die Regierung in Neu-Delhi blieb untätig. Wieder einmal. Wozu gab es die Polizei und das Militär? Warum taten der Premierminister und die Regierung nichts, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten?

Als sich ein weiterer Bus näherte, trat er sicherheitshalber einen Schritt zurück. Auf dem Blechdach stapelten sich Koffer und Kartons. Dazwischen saßen Männer mit eingefallenen Gesichtern, die nackten Oberkörper so dürr, dass man die Rippen zählen konnte.

Angewidert wandte Singh den Blick ab. Er wartete, bis sich das rostige Gefährt entfernt hatte, dann überquerte er im Laufschritt die Hanuman Cir Road. Zwei Mädchen in orangefarbenen Saris wichen ihm im letzten Moment mit ihren Mofas aus. Sie hupten und eine schimpfte ihm hinterher, doch er eilte weiter.

Seit er den Brief des Südafrikaners gelesen hatte, war er ein Getriebener. Marq van Beukes hatte es weit gebracht, weiter, als er es seinem ehemaligen Studenten zugetraut hatte. Ja, der Südafrikaner schien ein gewisses Talent für die Naturwissenschaften zu besitzen, das musste er ihm zugestehen. Widerwillig. Jetzt war van Beukes Professor an der Universität von Pretoria und unterrichtete Genetik und Molekularbiologie. Grüne Gentechnik, das war der Schwerpunkt seiner Arbeit. Genauso wie Singhs. Nur dass van Beukes sich immer mehr für Politik und linksradikale Ideen als für die Wissenschaft interessiert hatte.

Was aber, wenn seine wilde Theorie stimmt?, meldete sich die nagende Stimme in Singhs Kopf.

Der Gedanke, ausgerechnet van Beukes könnte ein Geheimnis gelüftet haben, an dem sich so viele den Kopf zerbrochen hatten, ließ ihn keine Ruhe finden. Er musste Gewissheit haben, nur deshalb hatte er die Strapazen der Zugfahrt nach Jaisalmer auf sich genommen. Auch wenn er es inzwischen beinahe bereute. Jetzt musste er nur noch einen Mietwagen auftreiben, der den holprigen Straßen Rajasthans gewachsen war. Keinen klapprigen Land Rover. Die Briten verstanden nichts vom Autobau. Besser einen BMW oder wenigstens einen Japaner. Hauptsache, der Wagen hatte eine Klimaanlage.

Singh schlängelte sich an einer Gruppe Asiaten vorbei, die sich für die frittierten Fleischspieße mit Brot interessierten, die ein Straßenhändler anbot. Die Preise waren Wahnsinn, doch die Touristen schien es nicht zu kümmern. Der Geruch nach Curry, der in der Luft hing, ließ auch Singh das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Der Concierge seines Hotels hatte ihm die Adressen einiger Mietwagenagenturen genannt. Wie Lebensmittel waren auch Autos zurzeit Mangelware und wie zu erwarten gewesen war, hatte er bei den ersten beiden kein Glück gehabt. Er konnte nur hoffen, dass er bei der dritten mehr Erfolg haben würde.

Singh hatte noch immer den würzigen Currygeruch in der Nase, als er in der spiegelnden Fensterscheibe eines Geschäftes, das bunte Stoffe anbot, den Mann bemerkte, der ihm mit einigen Schritten Abstand folgte.

Er war nicht groß, aber breitschultrig. Das Haar trug er militärisch kurz rasiert. Es war rot, so rot wie der Dreitagebart, der ihm ein ungepflegtes Aussehen verlieh. Er war Europäer, da war sich der Wissenschaftler sicher. Vielleicht ein Brite? Vermutlich, er strahlte diese gewisse Arroganz aus, die allen Briten zu eigen war. Jedenfalls war es derselbe Mann, mit dem er gestern in dem Gedränge auf dem Bahnsteig beinahe zusammengestoßen war, ja, daran bestand kein Zweifel. Und heute Morgen hatte er ihn in der Lobby seines Hotels gesehen. Natürlich konnte es ein Zufall sein. Gut möglich, oder …

Singh presste die Aktentasche mit dem Brief gegen seine Brust. Sein Herz schlug schneller, er spürte es ganz deutlich. An der nächsten Straßenecke wandte er sich nach rechts. Er drängelte sich an einem Alten mit gebeugtem Rücken vorbei, der mit einem Gewürzhändler um ein Säckchen Pfefferkörner feilschte. Hinter einem alten Haveli mit verwitterten Fassadenmalereien und brüchigen Balkonen bog er abermals ab. Aus den Augenwinkeln sah er, dass es der Mann mit den roten Stoppelhaaren ihm gleichtat.

Er verfolgte ihn! Kein Zweifel.

Raj Kamal Singh beschleunigte seine Schritte. Er zwängte sich zwischen den dicht an dicht parkenden Autos hindurch, überquerte die Straße und verschwand in einer schmalen Gasse zwischen zwei Wohnhäusern. Die Gassen der Altstadt waren ein Labyrinth. Aufs Geratewohl schlug er mal die eine, mal die andere Richtung ein. Das Geräusch seiner Ledersohlen auf dem steinharten Lehm hallte von den hohen Wänden wider. Er überquerte einen Hof, auf dem drei Frauen gelbe und orangefarbene Tücher zum Trocknen aufhängten. Ein kleiner Junge warf einen Ball gegen die Wand und fing ihn wieder auf. Dann ging es ein paar Stufen hinunter und schließlich durch einen niedrigen Torbogen. Erst jetzt wagte Singh es, stehen zu bleiben und sich umblicken.

Sein Herz hämmerte, als würde es jeden Moment zerspringen, aber von seinem Verfolger war nichts zu sehen.

Erleichtert atmete Raj Kamal Singh aus. Wahrscheinlich hatten ihm seine Nerven einen Streich gespielt. Dieser verwünschte Brief! Wenn es etwas ändern würde, hätte er Marq van Beukes’ Schreiben auf der Stelle zerrissen. Zerrissen und die Fetzen dem Wind überantwortet. Doch dafür war es zu spät.

Langsam ging er weiter und allmählich beruhigte sich sein Pulsschlag. Vor einem Hauseingang standen einige Mülltonnen. Daneben saß ein Mann auf dem lehmigen Boden. Den Rücken gegen eine der Tonnen gelehnt. Er war so ausgemergelt, dass Singh unmöglich sein Alter hätte schätzen können. Die Wangen des Mannes waren eingefallen. Seine Augen saßen tief in den Höhlen. Er starrte geradeaus, regungslos, obwohl Fliegen über sein schmutziges Gesicht krabbelten. Singh würgte. Er konnte nicht sagen, ob seine Übelkeit von den überquellenden Tonnen herrührte oder ob der Mann so widerwärtig roch. War er vielleicht tot und verweste bereits? Singh schauderte. Wie dumm, dass er sein Taschentuch weggeworfen hatte.

Der Wissenschaftler atmete flach und durch den Mund. Mit dem Rücken an die Hauswand gedrückt, stieg er über die nackten Füße des Mannes.Ja, er ist tot, dachte er, doch auf einmal bewegte die armselige Gestalt ihre Lippen.

»Hun…«

Singh verharrte. Die Gestalt hatte so leise gesprochen, dass er sich nicht sicher war, ob er das Wimmern richtig verstanden hatte.

»Hun…«, wiederholte sie. »Hun…«

Stumm starrte er den Mann vor seinen Füßen an, dann begriff er. Hunger, das wollte er wohl sagen.

Die Gestalt hob eine dürre Hand. Erschrocken und angewidert zugleich, wich Singh zurück. »Lassen Sie mich in Frieden! Ich habe nichts zu essen!«

Er drehte sich um und hastete davon. Ganz gewiss war es nicht seine Aufgabe, sich um irgendwelche Bettler zu kümmern. Er hatte schließlich seine eigenen Probleme. Singh beschleunigte seine Schritte. Alle paar Meter sah er über die Schulter, doch zum Glück machte die ausgemergelte Gestalt keine Anstalten, ihm zu folgen.

Außer Atem taumelte er aus der Gasse auf die Gadisar Road. Der grelle Sonnenschein blendete ihn, daher erkannte er den rothaarigen Mann erst, als dieser ihm in den Weg trat.

Als wäre er vor eine Wand gelaufen, blieb Singh stehen.

»Was … was soll das?«, stammelte er.

Der rothaarige Mann verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen und musterte ihn gründlich. Wie ein Raubtier seine Beute, schoss es Singh durch den Kopf.

»Gehen Sie mir gefälligst aus dem Weg«, versuchte Raj Kamal Singh es noch einmal.

Sein Gegenüber antwortete nicht, trat aber einen Schritt zur Seite.

Singh schluckte. »Na also.«

Er schob sich am rothaarigen Mann vorbei, doch plötzlich schossen zwei kräftige Hände vor und packten seine Schultern.

»Hey! Was …«

Der Mann stieß ihn von sich. Singh verlor das Gleichgewicht und stolperte auf die Straße. Ein lautes Hupen ertönte und er sah die mächtige Front eines Busses vor sich. Viel zu nah. Viel zu schnell. Wieder erscholl die Hupe. Bremsen quietschten. Zwei Scheinwerfer flammten auf und dann …

Raj Kamal Singh sah den Himmel seines Heimatlandes über sich. Vor dem Azurblau erkannte er eine schwarze Rauchfahne und unwillkürlich musste er an die Gruben vor der Stadt denken, über denen die Geier ihre Kreise zogen. Die Gruben wurden mit Bulldozern ausgehoben und wieder zugeschüttet, sobald die Flammen verloschen waren. Holz gab es schon lange nicht mehr, deshalb übergoss man die Toten mit Öl oder Benzin. Vom Zug aus hatte er gesehen, wie sich die leblosen Leiber in der Hitze aufbäumten. Wie sie loderten, wie sie verkohlten, bis nur noch schwarze Asche übrig war.

Ich will nicht sterben!

Jeder einzelne seiner Knochen musste gebrochen sein. Er wollte sich aufrichten, aber er war unfähig, auch nur einen Finger zu rühren. Ich bin gelähmt, Hilfe!, versuchte er trotz der unfassbaren Schmerzen zu sagen, doch seine Lippen bewegten sich stumm.

Ein Schatten fiel auf sein Gesicht.

Rufen Sie einen Krankenwagen, flehte er in Gedanken. Bitte …

Doch dann erkannte er, dass es der rothaarige Mann war, der sich über ihn beugte.

»Fahr zur Hölle, Gandhi«, hörte er ihn höhnen.

Tatsächlich, seine Stimme hatte einen britischen Akzent.

Der Mann bückte sich und aus den Augenwinkeln sah Raj Kamal Singh, wie er die Aktentasche aufhob. Die Aktentasche, in der sich der Brief befand.

Der Inder schloss die Augen. Marq van Beukes hatte sich also nicht geirrt. Ihr Götter!

1

Auch in diesem Dorf waren die Felder von der Krankheit gezeichnet. Finn betrachtete den Weizenhalm in seiner Hand. In dunklen Linien brachen die Sporen des Pilzes, der in dem Stängel wie ein Krebsgeschwür wucherte, aus ihm hervor. Sie bedeckten ihn auf seiner gesamten Länge. Selbst die Blätter waren befallen. Rostbraun und Schwarz. Daher hatte die Erkrankung ihren Namen.

Getreideschwarzrost.

Vor einem Jahr hatte er das Wort zum ersten Mal in einem Zeitungsartikel gelesen. Damals wussten nur wenige Fachleute etwas mit der Krankheit anzufangen, doch in den letzten Monaten hatte sich das geändert. Jetzt wusste jeder, was der Schwarze Rost war.

Er ließ die Ähre durch die Finger zu Boden gleiten. Wie winzig die wenigen verkrüppelten Körner waren. Die Regierung hatte verkündet, der Pilz sei für Menschen völlig harmlos.

»Schön möglich«, sagte Finn zu sich selbst, »aber habt ihr nicht auch behauptet, dass ihr den Pilz in ein paar Monaten in den Griff bekommt?« Tja, wie sagte man so schön? Irren ist menschlich.

Er wischte die Handflächen an dem Stoff seiner Cargohose ab. Am liebsten hätte er sich gründlich mit Wasser und Seife geschrubbt. Er fuhr sich mit der Hand über die Wangen. Ja, und eine Rasur wäre auch nicht schlecht, denn in den letzten zwei Wochen war aus seinem lässigen Dreitagebart ein Vollbart geworden. Er kratzte, doch das nächste Hotelzimmer mit fließend Wasser und einem Waschbecken gab es in Thohoyandou. Und das war gut sechzig Kilometer entfernt.

Finn griff nach seiner neuen Canon EOS 5D Mark 3. Er stellte das Makroobjektiv scharf und fing eine Nahaufnahme der verkümmerten Ähren ein. Dann erhob er sich aus der Hocke.

»Au!«

Seine Beine waren eingeschlafen. Sie kribbelten. Er trat von einem Fuß auf den anderen und massierte seine Oberschenkel. Ein paar Schritte abseits der Straße zankten zwei Krähen um eine karge Mahlzeit. Die Farmer hatten das Getreide auf den Feldern verdorren lassen. Es gab keine Ernte, die sich einzubringen lohnte. Weder Weizen noch Roggen oder Hafer. Falls es stimmte, was er gehört hatte, war es in ganz Südafrika so. Und nicht nur dort.

Finn senkte die 5D und schnappte sich seine alte Spiegelreflexkamera. Er hatte sie zu seinem sechzehnten Geburtstag bekommen. Von seinem Pa, bevor der in den Sudan geflogen und dort entführt worden war. Das war über zehn Jahre her und seitdem war die Kamera Finns ständige Begleiterin. Wie ihre jüngere Schwester trug er sie an einem breiten Riemen um den Hals. Routiniert entfernte er den Deckel vom Weitwinkelobjektiv. Er verstaute ihn in der Brusttasche seiner Fotoweste, stellte die Brennweite ein und schoss zwei, drei Totalen des Feldes.

Eine dritte Krähe hatte sich zu den schwarzweißen Vögeln gesellt. Sie war noch zerrupfter als ihre beiden Kameraden. Soweit war es mit dem Land gekommen. Nicht nur die Menschen, selbst die Tiere hatte der Hunger gezeichnet.

Finn zog einen Müsliriegel aus der Brusttasche seiner Weste. Es war der vorletzte seiner eisernen Reserve. Die Vögel beobachteten, wie er das Papier entfernte.

»Der gesunde Energieschub für Zwischendurch«, las er laut. »Hochwertiges Getreide. Sonnengetrocknete Rosinen. Und gut für die Verdauung soll er auch sein. Na, wenn das nichts ist. Lasst es euch schmecken.«

Er warf den Riegel den Krähen zu. Sie flatterten auf und stürzten sich auf den süßen Snack. Sofort entbrannte ein wilder Kampf. Finn seufzte. Was war er doch für ein Idiot! Wieso hatte er nicht daran gedacht, ihn in drei Teile zu brechen?

Verärgert über sich selbst, wandte er sich seinem Fahrrad zu. Das vordere Schutzblech war verbogen, nachdem er in der gestrigen Abenddämmerung vom Weg abgekommen und über einen Stein gestürzt war. Zum Glück war er unverletzt geblieben und nach einiger Fummelei war es ihm schließlich gelungen, wenigstens zwei der gebrochenen Speichen zu ersetzen. Ohne Eile schob er das Rad über den staubigen Feldweg zu den Hütten, die am Rand des Weizenfeldes standen. Jede bestand nur aus einem einzigen Stockwerk. Manche waren weiß getüncht, mache gelb, manche rot. Die Dächer aus grauem Wellblech. Strom- und Telefonkabel hingen schlaff zwischen hölzernen Masten. Hier und da wuchsen struppige Büsche.

»Hello?«, rief er, als er sich den Hütten auf zwanzig Meter genähert hatte.

Niemand antwortete. Nirgends war eine Menschenseele zu sehen. Finn kickte eine rostige Cola-Dose beiseite. Ein Pick-up parkte neben der asphaltierten Hauptstraße. Die Motorhaube stand offen. Eine rote Sandschicht bedeckte die Windschutzscheibe. Sie hatte einen Sprung. Er ging um den Wagen herum. Jemand hatte einen Tisch, Stühle und eine Kommode auf der Ladefläche verzurrt. Sie waren nicht weniger dreckig als der Wagen.

Finn lehnte sein Rad gegen die Heckklappe. Er schoss ein paar Fotos, ehe er zu der nächstgelegenen Hütte ging.

Die Tür sah aus, als hätte jemand sie eingetreten. Das Holz war gesplittert. Sie hing schief in den Angeln. Obwohl sie nur angelehnt war, klopfte er. Er wartete einen Moment, dann klopfte er noch einmal.

»Ist hier jemand?«

Nichts.

Finn drückte die Tür auf. Sie schleifte über den Boden. Vorsichtig trat er über die Schwelle. Seine Sneaker hinterließen Abdrücke im roten Staub. Langsam ging er von Zimmer zu Zimmer. In der Küche gab es einen eisernen Herd, daneben lagen ein paar Holzscheite. Die Regale und der winzige Kühlschrank waren leer. Auch in der Speisekammer entdeckte er nichts außer einem Eimer, einem Besen und ausgetrunkenen Bierflaschen. In einem Zimmer stand ein rostiges Bettgestell. Die Matratzen waren verschwunden. Darüber hingen Poster, die verschiedene Fußballer beim Torschuss zeigten. Manche kannte er, manche nicht. In seiner Schulzeit hatte die Wand über seinem Bett nicht viel anders ausgesehen, nur war Basketball sein Ding gewesen. Finn schmunzelte, doch dann musste er daran denken, was wohl aus dem fußballbegeisterten Jungen geworden war, dem dieses Zimmer gehört hatte. Schlagartig wurde er wieder ernst. Er drehte sich um und machte, dass er aus dem Kinderzimmer kam.

Von den ehemaligen Bewohnern fehlte jede Spur. Finn war klar, dass es in den übrigen Hütten genauso aussah. Das Dorf war von seinen Bewohnern verlassen worden. Verlassen und anschließend von wem auch immer geplündert worden. Genauso wie alle Dörfer, durch die er in den letzten Tagen gefahren war.

Auf einmal hörte er von draußen ein aufgeregtes Krächzen.

Die Krähen!

Etwas hatte die Vögel aufgeschreckt.

Als er aus der Hütte rannte, sah er noch, wie sie sich in den Himmel erhoben. Mit hektischen Flügelschlägen flatterten sie davon. Finn blinzelte in die Mittagssonne. Seltsam. Weshalb waren sie so aufgeregt davongeflogen? Er drehte sich langsam im Kreis. Nach wie vor war nirgends eine Menschenseele zu sehen, nur im Westen glaubte er, etwas am Horizont zu erkennen. Es war – er kniff die Augen zusammen – ein seltsamer beigebrauner Streifen. Hm, was konnte das sein?

Das Schrillen seines Satellitentelefons riss Finn aus seinen Gedanken. Es steckte in der Seitentasche seines Rucksacks. Als er ihn sich vom Rücken zog, fiel es heraus. Fluchend hob er es auf. Hoffentlich war es nicht kaputtgegangen. Zurzeit war das Handy seine einzige Verbindung zur Zivilisation. Er wischte das Display und das Plastikgehäuse sauber. Auf den ersten Blick schien es in Ordnung zu sein. Ein Glück. Er klappte die Stummelantenne aus.

»Ja?«

»Wo steckst du?«, hörte er die Stimme seines Chefs.

In jungen Jahren war Friedrich Scherer als Kriegsfotograf um die halbe Welt gereist. In den Balkan, den Nahen und den Mittleren Osten. Er hatte vom Kosovokrieg und von Desert Storm, aus Afghanistan und Darfur berichtet. Er war eine lebende Legende und hatte Dutzende Preise für seine Fotos und Reportagen gewonnen. Eines Tages hatte er seine Kamera an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Seitdem leitete Scherer die Auslandsredaktion der International Pictures and News Agency. Ihm hatte Finn seine Stelle zu verdanken.

Finn fuhr sich mit der Hand über den Bart. »Ich bin in Kapstadt. Blouberg Beach. Bis vor ein paar Minuten war ich surfen, jetzt lasse ich mir die Sonne auf den Bauch brennen und in einer halben Stunde werde ich mit einer blonden Australierin Longdrinks schlürfen. Mal sehen, was sich sonst noch so ergibt.«

»Witzig, sehr witzig.«

»Ich versuche nur, den Humor nicht zu verlieren.« In dem Job als Sonderkorrespondent, der von Krise zu Krise zog, war das die einzige Chance, nicht den Verstand zu verlieren. Er kannte Kollegen, die mit dem Trinken angefangen oder sich eines Tages eine Kugel durch den Kopf gejagt hatten. »Also, was gibt’s, Chef?«

»Ich will wissen, ob es dir gut geht.«

Finn nahm das Telefon in die andere Hand. »Klar, was soll sein?«

»Stell dich nicht dümmer, als du bist. Warum hast du dich gestern nicht gemeldet?«

Wie das Zähneputzen gehörte es zu Finns täglicher Routine, jeden Abend mit dem Satellitenhandy in der Berliner Redaktion anzurufen, ein paar Worte mit Scherer zu wechseln und ihm eine Mail mit den Fotos des Tages zu schicken.

»Ich hatte einen kleinen Unfall und da habe ich das glatt vergessen.«

»Wie bitte? Einen Unfall? Was …«

Ein Rauschen unterbrach die Verbindung. Finn nahm das Handy vom Ohr und warf einen Blick auf das Display. Nein, die Akkus waren voll, aber die Empfangsanzeige zeigte nur einen einzigen Balken an. Komisch, in den letzten Wochen hatte er mit dem Telefon keinerlei Schwierigkeiten gehabt. War es beim Herunterfallen vielleicht doch beschädigt worden?

»Finn?«

Schnell presste er das Handy wieder ans Ohr. »Tut mir leid, du warst für einen Moment weg. Etwas ist mit dem Empfang.«

»Was ist mit diesem Unfall? Bist du verletzt?«

»Nein, nein«, erwiderte er schnell. Scherer hörte sich ernstlich besorgt an. »Ich musste ein paar gebrochene Speichen wechseln und danach war ich so fertig, dass ich den Anruf vergessen habe. Wird nicht wieder vorkommen, Chef.«

Die Reparatur war nur ein Provisorium. Ohne eine ordentliche Werkstatt war da nicht viel zu machen. Egal, wenn er vorsichtig fuhr, sollte es keine Probleme geben.

»Mir gefällt das nicht.«

»Wie gesagt, alles halb so schlimm.«

»Ich meine nicht diesen Unfall, Finn. Ich habe gehört, dass der Norden nicht sicher sein soll.«

»Das ist nichts Neues. Diese Gerüchte gibt es seit Wochen.«

»Gerüchte? Gestern wurden fünfzehn Leichen in einem Straßengraben gefunden. Die meisten waren Frauen und Kinder. Auf der Flucht vor dem Hunger. Sie wurden erst ausgeraubt und dann erschossen. Hast du davon nichts mitbekommen?«

Nein, hatte er nicht. »Wo?«

»In der Nähe …« Wieder verschluckte ein Rauschen die Worte seines Vorgesetzten.

»Wie bitte?«

Nichts, nur Rauschen. Ob die Störung etwas mit dem seltsamen Streifen im Westen zu tun hatte? Er konnte sich täuschen, aber er schien größer geworden zu sein.

»Kannst du das noch einmal wiederholen?«, fragte er, ohne den Blick vom Horizont zu nehmen. »Ich hab dich nicht verstanden.«

»… der Nähe von Alldays.«

Alldays? Finn biss sich auf die Lippe. Mit dem Fahrrad war der Ort nur drei oder vier Stunden entfernt.

»Hör zu«, sagte er, »mach dir um mich keine Sorgen. Ich will mich nur ein wenig in den Dörfern an der Grenze zu Zimbabwe umsehen und dann vielleicht nach Lephalale. Ich nehme an, das wird eine knappe Woche dauern, aber ich werde vorsichtig sein. Versprochen.«

»Es wäre mir lieber, wenn du nach Hause kämst.«

Das hatte er befürchtet. Obwohl sein Chef ihn nicht sehen konnte, schüttelte Finn den Kopf. »Zerbrich dir nicht den Kopf. Ich komme schon klar.«

»Sicher?«

»Ja, du weißt doch, dass ich das nicht zum ersten Mal mache.«

Im Westen sah es jetzt so aus, als würde sich dort ein Gebirge auftürmen. Nein, er musste sich täuschen. Das konnten keine Berge sein. Es waren … Wolken. Ein Sandsturm!

»Geht es darum, dass du mir etwas beweisen willst?«, hörte er Scherer fragen.

»Wie bitte?« Der aufgewirbelte Sand schien sich rasend schnell zu nähern. »Nein, ich will meinen Job machen, und zwar gut, das ist alles.«

»Indem du dich in Gefahr begibst?«

»Wenn es der Job erfordert. Meine Güte, Chef, du weißt doch, wie das ist.«

»Ja, und aus diesem Grund bitte ich dich, vorsichtig zu sein.«

»Friedrich …«, versuchte er es noch einmal, aber sein Chef ließ ihn nicht ausreden.

»Ich bin lange genug mit meiner Kamera um die Welt gezogen. Länger als du. Ich weiß, was in dir vorgeht. Als ich in deinem Alter war, da dachte ich, ich könnte die Welt mit meinen Fotos retten. Kriege beenden, den Hunger besiegen. Indem ich die Wahrheit berichtete. Ich habe mir eingeredet, das würde die Menschen aufrütteln.« Er lachte. Es klang nicht fröhlich, sondern bitter. »Lass es, hast du mich verstanden? Du bist Journalist, das ist alles. Der Job ist es nicht wert, dass du dein Leben riskierst, okay? Nicht für ein paar verdammte Fotos, die niemanden interessieren.«

Vor einem Jahr hatte sein Chef noch nicht so geredet. Doch dann waren zwei Kollegen, die Scherer in den Norden des Iraks geschickt hatte, entführt und wenige Tage später ermordet worden. Das Video war um die Welt gegangen. Und seitdem war er nicht mehr derselbe. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass Scherer am Ende sei. Ausgebrannt. Nur noch eine Frage der Zeit, bis er gefeuert werden würde. Finn hoffte, dass sein Chef die Kurve bekam. Aber es sah nicht so aus. Er zögerte einen Moment, ehe ihm ein »In Ordnung« über die Lippen kam.

Er hörte Scherer erleichtert aufatmen. »Gut. Du tust das Richtige, glaub mir. Was meinst du, wann wirst du wieder in Berlin sein?«

»Am Wochenende, schätze ich.«

»Am Wochenende?«

»Spätestens am Freitagabend sitze ich im Flieger. Ehrenwort.«

»Ich verlasse mich auf dich.«

»Das kannst du, Chef« Er rieb sich mit der Hand den Nacken. »Ich habe einen Brief von Alisa bekommen.«

»Ich weiß. Sie hat mich gefragt, wie sie dich erreicht.«

»Sie heiratet in ein paar Tagen.«

Sein Chef schwieg.

»Was ist er für ein Kerl?«

»Willst du das wirklich wissen?«

»Ja.«

»Sein Name ist Paul. Alisa hat ihn vor einem Jahr in der Kanzlei kennengelernt. Zu ihrem Geburtstag hat sie ihn mir vorgestellt.«

»Und?«

Scherer seufzte. »Paul scheint ein netter Kerl zu sein. Er spielt Beachvolleyball. Interessiert sich für moderne Malerei und Comics. Die beiden denken daran, Kinder zu kriegen. Bist du jetzt zufrieden?«

Kinder? Alisa?

»Ich verstehe nur nicht, wieso sie …«

Er sprach nicht weiter. Es war so lange her. Er hatte gedacht, er wäre darüber hinweg, doch Friedrich Scherers Worte hatten alte Wunden aufgerissen. Wunden, die zu seinem Erstaunen noch immer nicht verheilt waren.

»Du verstehst es nicht?« Die Stimme seines Chefs war gleichzeitig belustigt und voller Mitleid. »Dann bist du ein Dummkopf, Finn. Ein Dummkopf, und es geschieht dir recht, dass meine Tochter mit dir Schluss gemacht hat. Komm schon, blick nach vorn. Und Finn …«

»Ja?«

»Vergiss nicht, dass du mir dein Ehrenwort gegeben hast. Am Freitag, spätestens.«

Finn beendete das Gespräch. Während er das Telefon in seinem Rucksack verstaute, ließ er den Sandsturm nicht aus den Augen. Jetzt sah er wie eine gigantische gelbe Wolkenwalze aus, die direkt auf ihn zurollte. Eine Wolkenwalze, höher als jeder Wolkenkratzer. Millionen Tonnen Sand. Zerstörerisch. Todbringend.

Er warf einen Blick zu den Hütten. Wahrscheinlich wäre es klüger, sich in einer von ihnen zu verkriechen und den Sandsturm abzuwarten. Aber in diesem Geisterdorf im Nirgendwo wollte er nicht festsitzen. Auf gar keinen Fall. Schnell verstaute er die empfindlichen Kameras in seinem Rucksack, dann atmete er tief durch und schwang sich auf sein Rad.

»Gut, dass du das nicht siehst, Scherer«, murmelte er und trat in die Pedale.

Hoffentlich machte das Vorderrad nicht schlapp.

 

Falls Ihnen die Leseprobe gefallen hat und Sie neugierig sind, wie es weitergeht: „Schwarzer Rost“ ist als Taschenbuch und E-Book erschienen. Sie bekommen es im Buchhandel und den üblichen Webshops.

Ich freue mich unheimlich, dass soeben mein neuer Thriller erschienen ist. Der Roman handelt von Finn Sadah, einem Journalisten, der aus Südafrika über die Folgen einer Pilzerkrankung, dem „Schwarzen Rost“, berichtet.

Johannesburg-Südafrika ·Denver-USA ·Kuala Lumpur-Malaysia

Ein Pilz vernichtet die Getreideernten Afrikas. Unaufhaltsam breitet sich der Schwarze Rost von dort über die Welt aus. Millionen verhungern. Der Journalist Finn Sadah berichtet aus einem Flüchtlingslager, das die Chinesin Jin Mae mit dem Vermögen ihres verstorbenen Vaters finanziert. Doch es kommt zu einer Katastrophe. Finn zerstört ihr Lebenswerk und damit ihre Freundschaft. Er sieht nur eine Chance, seine Schuld zu sühnen: Er muss den Schwarzen Rost besiegen. Die Suche nach einem Heilmittel verstrickt Finn in eine weltumspannende Mordserie an Genforschern und schließlich gerät der Journalist in die Schusslinie eines skrupellosen Söldners.

Lüge ist Wahrheit.

Wieder ein Roman, der von einem Journalisten handelt?

Tja, was soll ich sagen, das Thema liegt mir wirklich am Herzen. In meiner Jugend war eine meiner absoluten Lieblingsserien „Lou Grant“, die von dem Chefredakteur einer Zeitung handelt. Ich habe „Rick Masters“ verschlungen, eine Comicserie, die von den Abenteuern eines Reporters handelt und selbst in „Den Waltons“ hat Journalismus eine wichtige Rolle gespielt.

Ist „Schwarzer Rost“ also ein weiterer Julia-Wagner-Roman?

Nein, das ist er nicht. Ich wollte endlich einmal einen Roman schreiben, der nicht nur  in meiner Heimatstadt Berlin spielt. Ich wollte mich austoben. Und deshalb führe ich mit „Schwarzer Rost“ meine Leser einmal rund um die Weltkugel. Der Roman spielt in Indien, Südafrika, den USA, Frankreich und Malaysia. Ehrlich, das Recherchieren und Schreiben war ein unfassbarer Spaß!  Tja, und dann ist da noch Finn Sadah, der Held meines Thrillers, der mit Julia Wagner nicht viel gemein hat. Finn ist ein anständiger Kerl, für den die Arbeit nicht nur „ein Job“, sondern eine Berufung ist. Er glaubt an die Macht des Journalismus‘. Sein großes Vorbild ist Robert Capa. Seine Fotos, nicht nur aus dem Spanischen Bürgerkrieg, haben die Welt aufgerüttelt. Und genau darum geht es Finn: Mit seinen Fotos und Reportagen will er etwas bewegen. Gegen alle Widerstände. Trotz aller Gefahren.

„Schwarzer Rost“ ist als Taschenbuch und E-Book erschienen. Sie bekommen es im Buchhandel und den üblichen Webshops.